Energiemanagement und KNX: Verbesserung der Interoperabilität auf allen Ebenen

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Vertical Integration

Das Energiemanagement in Haushalten und Gebäuden befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Gebäude sind nicht mehr nur passive Energieverbraucher, sondern agieren zunehmend als Prosumer, die Energie erzeugen, speichern und flexibel verbrauchen. Dieser Wandel betrifft die gesamte Wertschöpfungskette, von Geräten und Gebäudeautomationssystemen bis hin zu Energiemanagement-Plattformen und Netzbetreibern. Da energiebezogene Anlagen wie Photovoltaikanlagen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und moderne HLK-Lösungen immer enger miteinander vernetzt werden, wird der Bedarf an einer strukturierten, interoperablen und skalierbaren Integration auf allen Ebenen entscheidend. Jüngste Entwicklungen im Rahmen des KNX-Standards spiegeln diese Entwicklung wider und gehen auf verschiedenen Ebenen auf diese Herausforderungen ein.

Neue Funktionsblöcke für energiebezogene Anwendungen

Seit der Veröffentlichung der KNX-Spezifikationen Version 3.0.4 wurden neue Funktionsblöcke eingeführt, um die Interoperabilität im Bereich des Energiemanagements zu verbessern. Diese Funktionsblöcke bieten einen standardisierten Ansatz für komplexe energiebezogene Anwendungen und ermöglichen eine einheitlichere Integration über Hersteller- und Systemgrenzen hinweg.

Zu den wichtigsten Anwendungsbereichen zählen Photovoltaikanlagen, HLK-Systeme und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, bei denen Geräte in der Regel eine große Anzahl von Datenpunkten bereitstellen. Durch die Definition gemeinsamer Funktionsblöcke verringert KNX Unklarheiten bei der Interpretation und Umsetzung, sodass Systeme vorhersehbarer und effizienter zusammenarbeiten können. Dies stellt einen wichtigen Schritt hin zu skalierbaren und interoperablen Energiemanagementlösungen auf KNX-Basis dar.

Anpassung an etablierte Energiestandards

Um die Interoperabilität über den Gebäudebereich hinaus weiter zu stärken, arbeitet die KNX Association aktiv mit etablierten Initiativen aus dem Energiesektor zusammen. Ein wichtiges Beispiel ist die Zusammenarbeit mit der SunSpec Alliance, aus der ein neues Whitepaper hervorgegangen ist, das die Zuordnung zwischen SunSpec-Modellen und dem KNX-Protokoll beschreibt. SunSpec-Modelle werden von großen Wechselrichterherstellern weit verbreitet eingesetzt und sind den Netzbetreibern gut bekannt. Durch die Zuordnung dieser Modelle zu KNX schafft diese Arbeit eine klare Brücke zwischen Gebäudeautomation und Energiesystemen und erleichtert die Integration von Photovoltaik-Wechselrichtern und zugehörigen Energieanlagen. Diese Angleichung erhöht die Relevanz von KNX in Energiemanagement-Szenarien, in denen die Interaktion mit netzorientierten Systemen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Parallel dazu wurde im Rahmen des Verhaltenskodex für energieeffiziente Geräte (eine Initiative der Generaldirektion Energie der EU-Kommission, DG ENER) eine Zuordnung zwischen SAREF4ENER und KNX erstellt. SAREF (Smart Applications REFerence Ontology) ist ein standardisiertes Vokabular, das vom europäischen Normungsgremium ETSI entwickelt wurde, um die gegenseitige Verständigung verschiedener IoT-Geräte und -Anwendungen zu ermöglichen. SAREF4ENER ist der speziell auf den Energiebereich ausgerichtete Teil von SAREF. Diese derzeit noch laufende Aktivität zielt darauf ab, KNX weiter an die im Energiebereich verwendeten semantischen Modelle anzupassen und so die Interoperabilität auf einer höheren, semantischen Ebene zu unterstützen.

Vertikale Integration mit Energiemanagementsystemen

Energiemanagementgeräte und -anwendungen sind in der Regel komplexer als herkömmliche Gebäudeautomationskomponenten. Ihre Integration ausschließlich über Datenpunkte auf Anwendungsebene kann zu erhöhtem Entwicklungsaufwand und längeren Implementierungszeiten führen. Hinzu kommt, dass die Kommunikation meist zwischen zwei Geräten stattfindet, nämlich dem Hausenergie-Managementsystem und dem Energiemanagementgerät (z. B. dem Wechselrichter der Solaranlage im eigenen Haus).

Um diesem Problem zu begegnen, führt KNX eine Form der vertikalen Integration zwischen Geräten und Energiemanagementsystemen ein. Dieser Ansatz ermöglicht es energiebezogenen Geräten, ihre Funktionalität auf strukturierte und standardisierte Weise gegenüber einem Energiemanagementsystem bereitzustellen, was die Komplexität der Integration erheblich reduziert und schnellere Implementierungen ermöglicht. Gleichzeitig ersetzt dies nicht die bewährte horizontale Integration über ETS. ETS bleibt das zentrale Werkzeug für die Inbetriebnahme und die interoperable Konfiguration von KNX-Geräten.

Zukünftige ergänzende Arbeiten

Die Kombination aus erweiterten Funktionsblöcken, der Angleichung an Standards des Energiesektors und der selektiven vertikalen Integration spiegelt eine pragmatische Weiterentwicklung von KNX wider. Sie berücksichtigt die spezifischen Anforderungen des Energiemanagements und bewahrt gleichzeitig die Prinzipien der Offenheit, Interoperabilität und Herstellerunabhängigkeit, die das KNX-Ökosystem auszeichnen.